Agfa steigt aus der Vorstufe aus
Kein gutes Signal für die Branche

01.09.2022 ► Die Agfa-Gevaert-Gruppe spaltet ihren Geschäftsbereich Agfa Offset Solutions ab und verkauft ihn für 92 Millionen Euro an die Aurelius Investment-Gruppe. Dazu gehören das Druckplattengeschäft und die dazu gehörenden Hard- und Software-Produkte.

Es gibt etliche Gründe, sich von Unternehmensteilen zu trennen. Einige Unternehmen tun das, um ihr Kerngeschäft wieder mehr in den Mittelpunkt zu rücken. Das ist bei Agfa offenbar nicht der Fall, sonst würde das Unternehmen nicht den einstmals wesentlichsten Kern seines Business in der grafischen Industrie hergeben. Ein anderer Grund könnte sein, dass Agfa mit dem gewonnenen Kapital anderweitige Investitionen tätigen will oder dringend liquide Mittel braucht. Wahrscheinlicher ist aber, dass Agfa mit der Transaktion die Weichen für einen radikalen Umbau des Geschäfts vom „analogen Druck“ zum Digitaldruck im Bereich des Large und Wide Format Printing mit Stoßrichtung industrieller Anwendungen stellen will.


„Der erwartete Verkauf des Geschäftsbereichs Offset Solutions ist ein wichtiger Schritt in unserem laufenden Transformationsprozess. Er wird uns in die Lage versetzen, uns stärker auf unsere Wachstumsgeschäfte zu konzentrieren, was für unseren künftigen Erfolg in unseren Märkten entscheidend ist“, wird Pascal Juéry, Vorstandsvorsitzender der Agfa-Gevaert-Gruppe, in einer Pressemitteilung des Unternehmens zitiert. „Nachdem wir alle Optionen geprüft haben, glauben wir, dass die vorgeschlagene Transaktion die bestmögliche Lösung für alle Beteiligten ist: die Mitarbeiter des Geschäftsbereichs, die Kunden in der Offset-Industrie und unsere Aktionäre."
Im Geschäftsjahr 2021 erwirtschaftete Agfa Offset Solutions einen Umsatz von 748 Mio. € bei einem weltweiten Marktanteil von rund 20%. Aurelius wird den Geschäftsbereich Offset Solutions zu einem Unternehmenswert von 92 Millionen Euro übernehmen.


Wie es mit dem von Agfa ausgegliederten und abgespaltenen Teil weitergehen wird, ist zurzeit noch nicht absehbar. Die Transaktion soll im ersten Quartal 2023 abgeschlossen werden. Dann, so heißt es, werde Aurelius „Agfa Offset Solutions dabei unterstützen, bestehende Geschäftsinitiativen voranzutreiben und die Marktposition auszubauen. Dazu soll der Fokus auf Innovation und ein qualitativ hochwertiges Angebot gelegt werden sowie integrierte Produktions- und Handelsbereiche weiter gestärkt werden.“
Wenn das Offset-Geschäft also noch Potenzial zur Weiterentwicklung hat, warum verkauft Agfa dann diesen Geschäftsbereich? Zumal Aurelius nicht eben als Experte in der Druckvorstufe gilt. Die Investment-Gruppe führt ein Portfolio an Unternehmens aus den Bereichen IT & Business Services, Industrieunternehmen & Chemie und Lifestyle & Konsumgüter. Mit dem Rückzug aus der Vorstufe wirbt Agfa jedenfalls nicht für die Produkte, die nun den Besitzer wechseln.

Kein gutes Signal

Wäre die Druckindustrie an der Börse notiert, ging die Aktie jetzt ganz massiv in den Keller. Denn während die Katastrophe aus Corona-Pandemie, Papierknappheit, Papier- und Energiepreisschock in der Branche noch vermessen wird, schleicht sich Agfa davon. Nicht gänzlich aus der Druckindustrie, aber aus der Offsetvorstufe.
Noch ist die Meldung zu frisch, um vollständig bewertet werden zu können. Es muss aber als Signal verstanden werden, dass Agfa im klassischen Druck kein Geschäft mehr sieht. Das ist keine gute Botschaftdie an die Branche und ihre Beobachter gesendet wird. Nachdem bereits Papierfabriken Werke verkaufen, weil sie bei Papier nicht mehr genügend Wachstum sehen, ist der Verkauf von Agfa’s Offset Solutions ein weiterer Schlag ins Gesicht der grafischen Industrie. Für diesen Schock wird der Markt wohl noch Zeit brauchen, um ihn zu verarbeiten. Denn Agfa war seit dem Beginn der Industrialisierung der grafischen Branche eine feste Säule bei der Entwicklung neuer Techniken und Chemikalien. Nachdem die Chemie immer weniger wurde, blieben zumindest von die Druckplatten und Workflow-Lösungen.

Jetzt aber bleibt in erster Linie eine Verunsicherung der „Anleger“, sprich der Druckereien, die das Bild vor sich sehen, wie ein wichtiger Player das Schiff Druckindustrie verlässt. 


 


 


 

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